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Durch das Gesamtkunstwerk positive Negative beginnt ein neues Kapitel in der Geschichte der alten Negativformen. Einst dienten sie zur Herstellung von hochwertigen Glasprodukten der Manufaktur Glashütte Süssmuth und sind so eng verbunden mit der Geschichte der Glashütte und ihren Mitarbeitern. Diese bewegende, einmalige Geschichte, hat an jedem der Objekte sichtbare und unsichtbare Spuren hinterlassen. Jedes neu entsehende Positiv ist gleichzeitig Spiegel des kreativen Prozesses seines neuen Besitzers und Dokument von politischer und kunsthandwerklicher Zeitgeschichte.

Ursprüngliche Funktion der Formen

Die Negativformen sind aus Buchenholz und dienten der Herstellung von Glasprodukten, wie Gläser, Vasen und Lampenschirmen: der Glasbläser nimmt mit dem Ende seiner ca. 1,50 Meter langen Pfeife eine kleine Menge geschmolzenes Glas (Glasposten) auf und bläst es in die entsprechende Form aus Buchenholz, wodurch er deren Größe, Gestalt und Dekor erhält. Danach lassen sich weitere Posten anbringen, die zu Stielen, Henkeln und Füßen modelliert oder in anderer Weise weiter bearbeitet werden. Für abschließende Arbeiten und die Feuerpolitur am Ofen wird das Kübel auf der Seite, die der Pfeife gegenüberliegt, mit einem Metallstab, dem Hefteisen, verbunden und von der Pfeife abgenommen. Nach dem Abschlagen des Hefteisens bleibt eine Heftnarbe zurück, die später geschliffen oder poliert wird.

Die revolutionäre Entdeckung, dass Glas aufgeblasen und in jede beliebige Form gebracht werden kann, wurde von den Phöniziern im 2. Jahrhundert v. Chr. gemacht. Die Glasbläserei verbreitete sich bald und blieb bis in das 19. Jahrhundert die wichtigste Technik zur Erzeugung von Glasgefäßen.

Geschichte der Glashütte in Immenhausen

Gründung der Hütte

1897 wurde die 1809 gegründete Glashütte Ziegenhagen nach Immenhausen verlegt. Der Direktor Ludwig Burhenne entschied sich für diesen Standort vor allem wegen dem damals schon vorhandenen Bahnanschlusses. Hergestellt wurde in der Hauptsache chemisch-pharmazeutisches Glas.

Der Unternehmer Hermann Lamprecht, der bereits 1876 die Marienhütte in Gnarrenburg bei Bremen und 1890 die Hütte in Breitenstein im Harz erworben hatte, übernahm im Dezember 1907 den Betrieb und setzte die Produktion fort. Seit 1885 patentierte Arzneitropfflachen und Einkochgläser wurden jetzt zum Hauptproduktionsgut.

Als Folge der Weltwirtschaftskrise mußten die Hütten in Breitenstein und Immenhausen 1930 geschlossen werden. 1940 erwarb das Deutsche Reich das Fabrikgelände und stellte es als Ersatzteillager den Fieseler-Flugzeugwerken in Kassel zur Verfügung. Der kriegswichtige Betrieb wurde 1945 bombadiert, die Hüttenanlage dabei schwer beschädigt.

Der Wiederaufbau durch Richard Süßmuth

Aus der zerstörten Hüttenanlage baute der seit Mitte der 20er Jahre weltweit bekannte Glasgestalter Richard Süßmuth aus Penzig in Schlesien seinen Betrieb auf.

Die Gebäude wurden wiederaufgebaut. Zu der Produktion von hochwertigem, künstlerisch bedeutenden Gebrauchsglasserien gehörte auch die Herstellung von Flachglas, Fenstergestaltung, Kirchenfenster. Bis 1970 entwarf der Unternehmer fast alle Gläser selber. Mitte der 50er Jahre brachte er auch farbiges Glas auf den Markt, in den 60er Jahren wurden seine Formen rustikaler.

Die Rote Hütte

Aufgrund der wirtschaftlichen Lage geriet die Glashütte Süßmuth Ende der 60er Jahre in finanzielle Schwierigkeiten. Um den Konkurs abzuwenden, übernahmen die Mitarbeiter am 17. März 1970, vier Jahre vor Süssmuths Tod, die Hütte. Die Ära der Glashütte Süssmuth GmbH begann. In diesem ersten selbstverwalteten Betrieb der Bundesrepublik wurde die Glasproduktion von international bekannten Designern, z. B. Theo Baumann, Norbert Prangenberg, Borek Sipek, Susanne Diemann, Friedel Deventer und Jörg F. Zimmermann mitgeprägt. Es folgten zwei Jahrzehnte selbstverwaltete Glasmanufaktur mit zahlreichen Bemühungen, dem immer stärker werdenden internationalen Konkurrenzdruck standzuhalten. Im Frühherbst 1996 musste die Manufaktur ihre Glasproduktion einstellen. Seitdem liegt die Produktionsstätte brach.

Heute

in einigen Gebäudeteilen versuchen sich seit Jahren Künstler und handwerkliche Kleinbetriebe anzusiedeln. Eine Stiftung betreibt einen Glasverkauf der Restbestände und organisiert Vorführungen des Glasbläserei - Handwerks.

Seit 1996 werden jährlich ergebnislose Zwangsversteigerungen für die Fabrikgebäude durchgeführt. Der gesamte Gebäudekomplex verfällt, die Räumlichkeiten sind zum großen Teil unbenutzbar geworden.

Ein Glasmuseum wird durch die Stadt Immenhausen verwaltet und zeigt die Glasprodukte aus 50 Jahren Glasproduktion:

Glas - Museum Immenhausen
Am Bahnhof 3, 34376 Immenhausen
Montag - Freitag 9:00 bis 17:00 Uhr
Samstag 10:00 bis 13:00 Uhr
Sonntag 13:00 bis 17:00 Uhr
Telefon: 05673 - 20 60